Musik jüdischer Komponisten



Moderiertes Konzert
mit Viola Breuer (Violine) und Cristina Allés Dopico (Klavier)
Die jüdische Kultur hat die Geschichte der klassischen Musik nachhaltig geprägt – sowohl durch
jüdische Komponistinnen als auch durch Interpretinnen. Seit dem 19. Jahrhundert haben
jüdische Künstlerinnen maßgeblich zur Weiterentwicklung der westlichen Musiktradition beigetragen und dabei ihre kulturelle Herkunft in ihre Werke integriert. Dieses Konzert zeigt die Vielfalt und den Reichtum jüdischer Kompositionen. Die Moderation bietet biographische Informationen zu den Komponisten und beleuchtet die kulturellen Einflüsse in der Musik. Die Komponisten integrieren verschiedene Elemente der jüdischen Kultur in ihre Musik, sei es durch die Verwendung von jiddischen Volksmelodien, synagogalen Tropen oder modernen europäisch-klassischen Stilmitteln. Diese Fusion von Tradition und Innovation zeigt, wie jüdische Künstlerinnen kreative Wege fanden, ihre kulturelle Identität
musikalisch auszudrücken.


Konzertprogramm
Ernest Bloch (1880-1959): „Baal Schem“ für Violine und Klavier
Joseph Achron (1886-1943): „Hebräische Melodie“ für Violine und Klavier
Joachim Stutschewsky (1891-1982): 13 jüdische Volksweisen für Violine und Klavier
Darius Milhaud (1892-1974): Violinsonate Nr. 1
Julius Chajes (1910-1985): „The Chassid“ für Violine und Klavier


Ernest Bloch (1880–1959) war ein Schweizer Komponist, der vor allem für seine symphonischen
Werke und sein Engagement für jüdische musikalische Identität bekannt wurde. Geboren in Basel,
studierte er zunächst am Konservatorium in Zürich und setzte seine Ausbildung später in Paris und
Zürich fort. Bloch entwickelte einen markanten Stil, der spanische, jüdische liturgische und andere
ethnische Einflüsse mit der europäischen Romantik verband, was sich besonders in seinen Werken
wie der Musik für Orchester und dem Violinkonzert zeigt. In den 1930er Jahren emigrierte er in die
USA, wo er Professor an der Universität Utah wurde und eine bedeutende Reihe von Chor- und
Orchestermusik komponierte. Blochs Musik zeichnet sich durch expressiven Sinn für Melodik,
kraftvolle Rhythmik und eine tiefgreifende spirituelle Dimension aus.

„Was mich wirklich interessiert, ist die hebräische Seele. Diese komplexe, feurige, unruhige Seele,
die die Bibel in mir zum Schwingen bringt. Die Kraft der Patriarchen, die Gewalt des Buches der
Propheten, die brennende Liebe zur Gerechtigkeit, der Schmerz und die Größe des Buches Hiob, die
Sinnlichkeit des Hohen Liedes. All das ist in uns, all das ist in mir, und es ist der beste Teil von mir.“
„Fast alle meine Arbeiten, wie düster sie auch sein mögen, enden mit einer optimistischen
Schlussfolgerung oder zumindest mit Hoffnung.“


Joseph Achron (1886–1943) war ein russisch-jüdischer Komponist und Violinist, der eine
bedeutende Rolle in der Entwicklung der jüdischen Musik des 20. Jahrhunderts spielte. Geboren in
Kief, heute Ukraine, erhielt er früh eine umfassende musikalische Ausbildung und setzte sich
später mit Komposition und Violine auseinander. Achron verband liturgische jüdische Melodien
mit europäischer Romantik, serbischer Volksmusik und modernen Strömungen, was sich in seinen
Violinkonzerten und Kammermusikwerken widerspiegelt. Während des frühen 20. Jahrhunderts
wirkte er in Russland, Deutschland und schließlich in Großbritannien, wo er sich als Musiker und
Lehrer etablierte und auch als Leiter von Musikensembles fungierte. Seine Werke zeichnen sich
durch klare melodische Linien und eine tief verwurzelte jüdische musikalische Identität aus.
Achron war ein zentraler Theoretiker der „Neuen Hebräischen Schule“ und verstand jüdische
Musik als evolutionären Prozess:
„Jede ernsthafte jüdische Kunstmusik muss sich durch allmähliche Assimilierung entwickeln… das
Schöpfungsprodukt wird als wichtiger und integraler Bestandteil der Musik als Ganzes willkommen
geheißen und akzeptiert werden.“
„Solche Reinheit existiert nicht und kann nicht existieren. Das gilt für die Kunst ebenso wie für die
anderen Bestandteile des Lebens, da gegenseitige Einflüsse nicht nur unvermeidlich, sondern auch
wünschenswert sind.“
Joachim Stutschewsky (1891–1982) war ein österreichisch-israelischer Komponist, Cellist und
Musikwissenschaftler. Geboren in Prag, trat er als Bratschist auf und engagierte sich aktiv als
Organisator und Vermittler moderner Musik. Er arbeitete eng mit zeitgenössischen Komponisten
zusammen und verband traditionelle Formen mit avantgardistischen Ausdrucksmitteln. Nach dem
Zweiten Weltkrieg emigrierte er nach Israel, wo er weiter komponierte, lehrte und
musikwissenschaftlich tätig war. Seine Werke spiegeln die Brücke zwischen europäischer
Avantgarde und israelischer Musikkultur wider.
Stutschewsky prägte den Begriff der „jung-jüdischen Schule“, um den zionistischen Geist der
neuen jüdischen Musik hervorzuheben.
Darius Milhaud (1892–1974) war ein französisch-jüdischer Komponist, Dirigent und Lehrer.
Geboren in Sassel (heute Frankreich), entwickelte er sich zu einem zentralen Vertreiber der
französischen Moderne. Milhaud war stark von Jazz, lateinamerikanischen Rhythmen
(insbesondere brasilianischen) und polytonaler Harmonik geprägt, was sich in seinen
kammermusikalischen Werken widerspiegelt. Er arbeitete eng mit dem Pariser Musikleben, stand
in Briefwechseln mit vielen Zeitgenossen und lehrte später an der Mills College in Kalifornien.
Milhaud setzte sich zeitlebens mit jüdischen Themen auseinander, integrierte hebräische Motive
und jüdische Geistesströme in seine Musik, und blieb eine der prägenden Stimmen der
französischen Musik des 20. Jahrhunderts.

Er begann seine Autobiographie „Notes sans Musique“ (1949) mit dem Satz: „Ich bin ein Franzose
aus der Provence und ein Jude der Religion nach.“ Dieses Zitat fasst seine doppelte Identität
prägnant zusammen. Obwohl er sich zu seiner Religion bekannte, fühlte er sich laut der Universität
Hamburg einem musikalischen „Ökumenismus“ verpflichtet, der alle Religionen vereint.
Julius Chajes (1910–1985) war ein polnisch-jüdischer Komponist, Pianist und Musikpädagoge.
Geboren in Lemberg (heute Lviv, Ukraine), wuchs er in einer stark musikalisch geprägten jüdischen
Umgebung auf und studierte Komposition in Warschau. Er komponierte sowohl weltliche jüdische
Konzertmusik als auch synagogale Werke und setzte sich für den interreligiösen Dialog ein. Als
Flüchtling aus dem Dritten Reich lebte Chajes später in den USA, wo er sich als Lehrender und
Komponist etablierte. Sein Schaffen verbindet europäische klassisch-romantische Linienführung
mit jüdischen liturgischen und volkstümlichen Einflüssen. Zu seinen bekanntesten Werken zählen
kammermusikalische Stücke, Klaviermusik sowie Orchesterwerke, durch die er eine sensible
Melodik, klare Formen und eine tiefe kulturelle Identität ausdrückte. Als Pädagoge trug er zur
Förderung jüdischer Musik- und Kulturtraditionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei.
Der Geiger Henryk Szeryng sagte 1978 über ihn: „Seine Musik ist für Israel, was die eines Chopin für
Polen, eines de Falla für Spanien oder eines Bartók für Ungarn ist.“


Musikerinnen
Viola Breuer studierte Violine an der Musikhochschule Mannheim bei Prof. Susanne
Rabenschlag und an der Hochschule für Musik Saar bei Prof. Joshua Epstein. Den
Schwerpunkt ihres Studiums legte sie auf die klassische Kammermusik.
Während ihres Studiums absolvierte sie ein Erasmus- Semester in Dublin, wo sie sich intensiv
mit traditioneller, irischer Kammermusik beschäftigte.
Darüber hinaus musiziert sie außerhalb der Klassik in den Bereichen Bluegrass und
Crossover/Pop, wo sie bereits mit Grammy-Preisträgern wie Michael Bublé und Milli Vanilli
auf der Bühne stand.
Sie spielt bundesweit in mehreren Orchestern und Ensembles, u.a. der Sinfonietta Dresden,
dem Musica Sancta Ensemble Berlin und dem Ensemble des Capitol Mannheim, außerdem
spielte sie bereits mit renommierten Orchestern wie der Elbland-Philharmonie Sachsen und
dem Kurpfälzischen Kammerorchester.
Als Solistin oder mit kammermusikalischer Besetzung konzertierte Viola Breuer bei
unterschiedlichen musikalischen und Konzertreihen wie dem Kammermusikfestival Berlin,
den Darmstädter Residenzfestspielen, den Rathauskonzerten Speyer und den Festspielen
Mecklenburg-Vorpommern.
Homepage: www.violabreuer.de
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Cristina Allés Dopico, 1994 in Palma de Mallorca geboren, erhielt im Alter von zehn Jahren
ihren ersten Klavierunterricht am Konservatorium ihrer Heimatstadt bei Arturo Fornás. 2010
schloss sie ihre Ausbildung dort mit Bestnote und Sonderpreis ab. Seit 2011 studierte sie an der
Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden bei Prof. Pia Kaiser (Bachelor) und setzte
ihre Ausbildung im Masterstudium bei Prof. Arkadi Zenziper fort, das sie 2017 erfolgreich
abschloss.
Cristina Allés Dopico ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe, darunter der 1. Preis des
Klavierwettbewerbs San Sebastian (2009), der 1. Preis des Premi de Música Ciutat de Manresa
(2010) sowie der 2. Preis beim Internationalen Wettbewerb Junger Pianisten in Sumi/Ukraine
(2012).
Als Solistin konzertierte sie mit dem Hochschulorchester Dresden, dem Sinfonieorchester der
TU Dresden, dem Sächsischen Sinfonieorchester Chemnitz sowie der Orquestra de cambra de
Mallorca. Konzertreisen und Festivalteilnahmen führten sie nach Spanien, Polen und
Deutschland.
Neben ihrer solistischen und kammermusikalischen Tätigkeit war Cristina Allés Dopico als
Korrepetitorin an der Hochschule für Musik Dresden sowie an der Hochschule für Musik Franz
Liszt Weimar tätig. Seit 2024 ist sie Korrepetitorin am Landesgymnasium für Musik Dresden
sowie am Heinrich-Schütz-Konservatorium.